#branchennews 27.08.2026
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Aluminiumschrott wird strategischer Rohstoff für Europa

in kürze

Aluminiumschrott gewinnt für die europäische Aluminiumindustrie an Bedeutung. Eural Gnutti verweist auf wachsenden Druck bei der Versorgung mit Primäraluminium, steigende Nachfrage nach hochwertigem Schrott und die Rolle von Recyclingtechnologien. Für Aluminiumverarbeiter wird die Sicherung verlässlicher Sekundärrohstoffe damit zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Versorgung mit Primäraluminium unter Druck

Zwei Personen stehen vor einem großen Berg Aluminiumschrott in einer großen Halle.
EURAL GNUTTI S.p.A.

Die europäische Aluminiumindustrie steht vor wachsenden Herausforderungen bei der Versorgung mit Primäraluminium. Geopolitische Entwicklungen, Störungen wichtiger Handelswege und zusätzliche Belastungen im internationalen Marktumfeld verändern die Rohstofflage.

Als Beispiele werden Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, Schäden an wichtigen Anlagen im Nahen Osten sowie verschärfte Sanktionen gegen Russland genannt. Die Golfregion steht für rund neun Prozent der weltweiten Primäraluminiumproduktion. Russland war lange eine wichtige Quelle für kohlenstoffarmes Primäraluminium für Europa.

Der Primäraluminium-Engpass in Europa wird auf mehr als 87 Prozent des Gesamtbedarfs beziffert. Daraus ergibt sich ein jährlicher Importbedarf von rund acht Millionen Tonnen. Zugleich sind die Aluminiumpreise in den vergangenen zwölf Monaten von rund 2.400 US-Dollar pro Tonne auf über 3.500 US-Dollar pro Tonne gestiegen. Ende Juni lagen sie wieder bei rund 3.100 US-Dollar pro Tonne, damit aber weiterhin deutlich über historischen Durchschnittswerten.

Diese Entwicklung erhöht den Druck auf europäische Aluminiumverarbeiter, ihre Rohstoffversorgung breiter abzusichern und Sekundärrohstoffe stärker in den Blick zu nehmen.

Aluminiumschrott als Engpassfaktor

Vor diesem Hintergrund rückt Aluminiumschrott stärker in den Fokus. Eural Gnutti beschreibt Aluminiumschrott nicht mehr nur als Bestandteil der Kreislaufwirtschaft, sondern als einen der größten Engpässe für die europäische Aluminiumindustrie.

Ein wesentlicher Grund ist der deutlich geringere Energiebedarf des Recyclings. Nach Angaben des International Aluminium Institute benötigt die Herstellung von Primäraluminium aus Bauxit durchschnittlich etwa 52 kWh Energie pro Kilogramm. Das Recycling von Aluminium erfordert dagegen nur etwas mehr als 2 kWh pro Kilogramm. Dies entspricht einer Energieeinsparung von über 95 Prozent und senkt nach Darstellung von Eural Gnutti auch die CO₂-Emissionen erheblich.

Gleichzeitig steigt der globale Wettbewerb um hochwertigen Aluminiumschrott. Jüngste Handelsmaßnahmen der USA wirken zusätzlich auf internationale Stoffströme: Zölle von 50 Prozent auf Aluminiumhalbzeuge und 15 Prozent auf Aluminiumschrott verändern Handelswege und verschärfen den Wettbewerb um verfügbare Schrottmengen.

Für europäische Verarbeiter bedeutet dies eine geringere Verfügbarkeit von Schrott bei zugleich höheren Einkaufskosten. Diese liegen in vielen Fällen mittlerweile über den Referenzpreisen der London Metal Exchange.

EU-Debatte über Rohstoffpolitik

Der wachsende Druck auf die Aluminiumversorgung beeinflusst auch die europäische Sicht auf Sekundärrohstoffe. Eural Gnutti hat in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam mit europäischen Institutionen daran gearbeitet, die Bedeutung von Aluminiumschrott für industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Rohstoffsicherung und Dekarbonisierung hervorzuheben.

Auf EU-Ebene findet das Thema zunehmend Beachtung. Genannt werden Vorschläge des EU-Kommissars für Handel und wirtschaftliche Sicherheit, Maroš Šefčovič. Sie zielen darauf ab, den Export von Aluminiumschrott in Nicht-EU-Länder zu begrenzen und zugleich sicherzustellen, dass innerhalb des europäischen Binnenmarktes ausreichende Mengen verfügbar bleiben.

Sollten solche Maßnahmen verabschiedet werden, könnte Aluminiumschrott erstmals als strategischer Rohstoff anerkannt werden. Dies würde seine Bedeutung für den Recyclingsektor, die aluminiumverarbeitende Industrie und die weitere Wertschöpfungskette stärken.

Recyclingstrategie bei Eural Gnutti

Für Eural Gnutti ist Recycling nach eigener Darstellung keine kurzfristige Reaktion auf aktuellen Marktdruck, sondern Teil einer langfristigen Unternehmensstrategie. Seit den 1990er Jahren hat das Unternehmen Know-how in Recyclingtechnologien, Prozessentwicklung und Metallurgie aufgebaut.

Zu den aktuellen Aktivitäten gehören die Aufbereitung von internem Gießerei- und Strangpressschrott im sogenannten „Run-around“-Verfahren sowie die Verarbeitung von Sekundäraluminium. Dieses stammt hauptsächlich aus Recyclingströmen in Italien und weiteren europäischen Ländern.

Eural Gnutti gibt an, dass dieser Ansatz dem Unternehmen geholfen habe, eine stabile Rohstoffversorgung und zuverlässige Lieferungen an Kunden aufrechtzuerhalten.

Sekundärlegierungen und metallurgische Anforderungen

Neben der Verfügbarkeit von Schrott rückt auch seine Zusammensetzung in den Fokus. Eural Gnutti konzentriert sich auf Hochleistungs-Aluminiumlegierungen aus zunehmend vielfältigen Schrottquellen.

Die Herausforderung besteht nicht nur darin, Blei zu ersetzen. Entscheidend sind metallurgische Verfahren, die unterschiedliche Schrottzusammensetzungen verarbeiten können. Unerwünschte Spurenelemente müssen innerhalb strenger Grenzwerte gehalten werden, während die erforderlichen mechanischen Eigenschaften der Legierungen erhalten bleiben.

Die geplante Überarbeitung der europäischen RoHS-Richtlinie könnte diese Entwicklung weiter beeinflussen. Aufgrund langer Produktlebensdauern, insbesondere bei Fahrzeugen, wird Blei noch über Jahre hinweg in Recyclingkreisläufe gelangen. Seine Konzentration dürfte jedoch mit jedem Recyclingzyklus schrittweise abnehmen.

Wettbewerbsfaktor für die europäische Metallindustrie

Die wachsende Bedeutung von Aluminiumschrott verweist auf einen breiteren Wandel in der europäischen Metallindustrie. Während Energiepreise und CO₂-Emissionen die Diskussion lange geprägt haben, entwickelt sich die zuverlässige Verfügbarkeit von hochwertigem Recyclingaluminium zu einem weiteren Wettbewerbsfaktor.

Für Gießereien, Strangpressbetriebe und andere Aluminiumverarbeiter könnte die Sicherung zertifizierter und beständiger Schrottlieferungen ähnlich wichtig werden wie der Zugang zu erschwinglicher Energie, moderner Produktionstechnologie und qualifiziertem Personal.

Unternehmen, die geschlossene Materialkreisläufe aufbauen und leistungsfähige Sekundärlegierungen herstellen können, positionieren sich in einem rohstoffintensiven Marktumfeld resilienter.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Aluminiumschrott entwickelt sich von einem Bestandteil der Kreislaufwirtschaft zu einem Engpassfaktor für die europäische Aluminiumindustrie.
  • Geopolitische Risiken, Importabhängigkeiten, gestiegene Aluminiumpreise und zunehmender Wettbewerb um hochwertigen Schrott erhöhen den Druck auf die Branche.
  • Nach Angaben des International Aluminium Institute benötigt Primäraluminium aus Bauxit durchschnittlich etwa 52 kWh Energie pro Kilogramm, Aluminiumrecycling dagegen etwas mehr als 2 kWh pro Kilogramm.
  • Eural Gnutti sieht Recyclingtechnologien, geschlossene Stoffkreisläufe und Hochleistungs-Sekundärlegierungen als zentrale Bausteine für industrielle Wettbewerbsfähigkeit.

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